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Über Wachen und Schlafen – Lesedüne: Die Mittelstandsbeschimpfung

7. April 2012 — kommentieren

Über Wachen und Schlafen - LesedüneHeute habe ich leider kein Foto für Euch. Dafür gibt es systemrelevanten Humor, über den ich bei der Lektüre eines neuen Buches der Lesedüne gestolpert bin.

Über Wachen und Schlafen“ ist ein Manifest des systemrelevanten Humors, welches für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit kämpft. Aber auch für Demokratie.  Weitere Themen sind Überwachung, Schlafstörungen, Kannibalismus, Schwangerschaft, Jugendkulturen, Kängurus, aber auch zu ganz anderen Themen wie zum Beispiel Freiheit.

„Aber eigentlich steht sowieso alles im Internet.“

Wer die Stücke der Lesedüne kennt, oder vielleicht die Bücher von Marc-Uwe Kling, „Die Kängeruh-Chroniken“ und „das Kängeruh-Manifest“ wird um dieses Buch nicht herumkommen. Absoluter Kauftipp! – Witzig.

Die Kreuzberger Lesedüne besteht aus Julius Fischer, Marc-Uwe Kling, Sebastian Lehmann und Maik Martschinkowsky. Ehrenmitglied Kolja Reichert ist ebenfalls im Buch vertreten.

Aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage (und meiner Willkür und meinem Befinden) hier ein kleiner Auszug von Maik Martschinkowsky:

Maik Martschinkowsky

Die Mittelstandsbeschimpfung
oder
Was ich der Mittelschicht schon immer mal sagen wollte. Bevor sie ausstirbt.

Ihr: seidt heute
Über euch morgen
Unter euch gestern
Ihr seid: Mittelmaß, Durchschnitt, Querschnitt
Ihr seid: Größe M
Ihr seid: nicht ganz durch
Ihr seid so … geht so?
Nichts Halbes
Nichts Ganzes
Yin
Yang
Fashion
Halb so wild
Ihr seid normal verteilt!
Und ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn…

Unter euch sind sie ungebildet und meckern,
Über euch sind sie gebildet und handeln
„Äh… von allem ein bisschen. Aber nicht zuviel…“
Ihr seid der Filter
Ihr seid die Spielverderber
Ihr seid der Puffer zwischen oben und unten
Ihr seid die Waagnadel des sozialen Friedens
Ihr seid: Das Sandwichkind der Ge-Schichte. n.

Richten Sie sich ein im Grandhotel „Abgrund“.
Und genießen Sie den Komfort zweiter Klasse: Mittelschicht.

Ih müsst auf der Hut sein
Ihr werdet paranoid
Jeder will euch streicheln
Ihr seid das Meerschwein der Zivilisation
Fieep Fieep fiebfiebfiebfieb

Ihr seid dick
Ihr achtet auf eure Ernährung
Ihr kauft bei Aldi
Ihr kauft bei Mercedes
Ihr… ihr… ihr habt mich finanziert. Vielen Dank.

Um euch wird gekämpft
Es gilt: euch zu Waren
Ihr werdet erforscht
Ihr werdet diskutiert
Ihr geht wählen
Ihr geht nicht wählen
Ihr geht wählen oder ihr geht nicht wählen
Ihr werdet beides bereuen.

Parlamentologen tragen Schicht für Schicht ab
Und präparieren ein Fossil zur Ansich t t t

Ihr seid politisch real
„Rechtsextrem und linksextrem sind im Grunde gleich zu sehn!“
Ihr habt Angst um eure Werte
Ihr habt Angst um eure Autos
Ihr habt Angst vor Trabbis
Ihr habt Angst um euren Arbeitsplatz
Ihr habt – keine Ahnung
Aber was man hat, hat man!

Ihr habt Peymann, Sloterdijk und Günter Grass
Irgendwann kriegt ihr sie alle!
Oben zitieren sie Brecht
Unten zitieren sie Brecht
Und ihr seid euch nicht sicher: Wer hat denn nun recht?
„Und Herr Meier ward verschwunden
Und so mancher reiche Mann
Und sein Geld hat…“

Viele von Euch haben Büchner, Heine, Dostojewski im Regal
Manche von euch betonen, sie hätten Marx gelesen
Manche von euch halten Marx für einen russischen Diktator
Manchmal sagt ihr: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen
Einige von euch empört das!
Aber zum Glück – gibt es Leserbriefe

Ihr müsst den Gürtel enger schnallen. (Ihr Armen!)
„Es muss sich was ändern!“ ruft es von oben
„Es muss sich was ändern!“ ruft es von unten
Ihr bleibt sachlich
Ihr wollt euch finanziell absichern
Ihr seid froh, dass ihr ein Auskommen habt
Ihr meldet Insolvenz an
Ihr werdet subventioniert
Unter euch Schmarotzer
Über euch: Leute mit Verantwortung
Ihr sagt: „Was die Linke da manchmal sagt, das klingt ja ganz vernünftig“
Aha
Ihr sagt: „Die CDU, die holen da jetzt … die Scheiße wieder,
also den Karren da raus, wo die SPD den da reingefahren hat!“
Oder so was in der Art
Manchmal sagt ihr, dass da mal einer ausspricht, was alle Denken
Einige von euch empört das!
Aber zum Glück gibt es ja – Leserbriefe

Ihr habt einen Tisch
Und darunter sind Füße
Eure Kinder werden Angestellt, Selbständige, Lehrer, Polizisten,
Physiotherapeuten, Künstler, Grüne, Bürgerrechtler, Liberale,
Pop-Linke, Neokonservative, zuweilen Steinewerfer

Ihr Alltagshelden!
Ihr Gallionsfiguren!
Ihr… Hüftspeckpestilenz

Ihr Nullteiler
„Man muss auch mal Überantwortung vernehmen!“
Sagt ihr
Und ihr – seid der Mittel punkt punkt punkt

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