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„Selber Schuld, Griechenland. Oder vielleicht doch nicht?“ – Ein paar Gedanken zum Thema

7. Oktober 2011 — 1 Kommentar

In einigen Ländern der Europäischen Union wurde in den letzten Jahren sehr schlecht gewirtschaftet. Nun sollen die vermeintlich reichen Staaten der EU einsparen und den bedrohten Staaten helfen. Die Bevölkerung dieser Staaten sehen nun ihren eigenen Wohlstand in Gefahr. Sie fürchten um ihre Ersparnisse, Ökonomen und Presse malen Horrorszeanrien an die Wand. All das, weil ein Staat – Griechenland – mit einer Wirtschaftskraft von Hessen und einem BSP, welches 2,5% des gesamten BSP der EU ausmacht, Gefahr läuft, zahlungsunfähig zu werden.

Wenn Griechenland nun tatsächlich für kurze Zeit zahlungsunfähig werden würde, wäre das natürlich unglücklich, würde aber die Gesamtstabilität wirtschaftlich als auch politisch nicht existentiell gefährden. Vielmehr würden die politischen Folgen schwerer wiegen, da der Eindruck entstünde, dass es um die schon öfters kritisierte Solidarität der einzelnen EU-Staaten tatsächlich nicht sehr gut bestellt ist. Dieser Preis wäre zu hoch und verpflichtet die EU, Griechenland zu unterstützen. Diese Hilfe darf sich allerdings nicht nur auf finanzielle Hilfen beschränken. Griechenland braucht einen Gesamtplan, der heute noch nicht existiert. Die derzeitigen Einsparungen des Landes und die bisherigen Ermahnungen und väterlichen Belehrungen, dass diese nicht genug seien – und die der Boulevard auf beiden Seiten gerne aufgenommen hat – haben Griechenland in eine tiefe Depression gestürzt. Dabei ist zu bedenken, dass genau diese Sparpläne einen erheblichen Anteil an dieser Depression haben, an der das Land einige Jahre zu knabbern haben wird. Sicher ist, dass Griechenland nicht allein über Zahlungen zu retten ist. Allerdings ist zu bedenken, dass bisher noch nicht ein Euro geflossen ist, sondern es sich bisher einzig und allein um Bürgschaften handelt, wenn auch von historischem Ausmaß. Schaut man allerdings in die Geschichte, insbesondere der deutschen, ist dies auch kein Novum.

Woher kommt also diese große Sorge? Die Staatsverschuldung ist ein Problem unter mehreren. Ein viel größeres Problem ist die uferlose Handlungsfreiheit auf den globalen Finanzmärkten. Auf diesen sogenannten Märkten tummeln sich Händler, die einzig und allein von ihrer Gier nach Bonifikation getrieben sind. Sie schließen Wetten auf Pleiten oder Gewinne ab, nicht mehr, ohne Berücksichtigung des Gemeinwohls und Auswirkungen ihres Handelns. Von der initialen Aufgabe, die Wirtschaft mit potentiellen Geldgebern zu vernetzen, ist nicht mehr viel übrig. Diese Märkte haben kein Verantwortungsbewusstsein und gehören deshalb unter strenger Aufsicht. Diese Aufsicht wird sicherlich nicht das Problem der Staatsverschuldung lösen, würde aber die rein psychologischen Reaktionen auf den Märkten verhindern. Dazu braucht es aber auch einen Willen, der sich heute bei allen Staaten nicht feststellen lässt.

Doch was -oder vielmehr wer- sind diese Märkte eigentlich? Das sind Du/Sie, ich – schlichtweg alle. Wir alle sind es, die diesen Markt mit unserer Nachfrage beeinflussen. Sofern wir unseren Einfluss einzig und allein durch Gier nach mehr, höheren Zinsen, Renditen und Gewinnmaximierung bestimmen lassen, wird sich dieser Markt und seine neoliberalen Intentionen nicht verändern. Wir alle haben mit unserem Nachfrageverhalten die Möglichkeit, diesen Markt zu steuern. Erst wenn wir neben dem Ertrag auch nach dem Gemeinwohl, Solidarität und Nachhaltigkeit fragen, gibt es eine Chance, diese Märkte zu verändern.

Eine Antwort an „Selber Schuld, Griechenland. Oder vielleicht doch nicht?“ – Ein paar Gedanken zum Thema

  1. Die Europäische Union hätte eine Wertegemeinschaft darstellen können, die Grenzen überwindet und damit der Welt ein positives Beispiel statuiert. Hätte… Leider haben sich andere Werte durchgesetzt und nun ist die Glaubwürdigkeit erstmal im Eimer.
    Die Verantwortung tragen neben den Spekulanten auch diejenigen, die sich zu sehr auf dieser Gemeinschaft ausgeruht haben, ohne sich für das Fundament einzusetzen. Beginnt man sich wieder auf diese Werte zu besinnen, gibt es immer eine Chance.

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